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Die sechste Elegie
VI
1 Feigenbaum,
seit wie lange schon ists mir bedeutend,
VI
2 wie du
die Blüte beinah ganz überschlägst
VI
3 und
hinein in die zeitig entschlossene Frucht,
VI
4 ungerühmt,
drängst dein reines Geheimnis.
VI
5 Wie der
Fontäne Rohr treibt dein gebognes Gezweig
VI
6 abwärts
den Saft und hinan: und er springt aus dem Schlaf,
VI
7 fast
nicht erwachend, ins Glück seiner süßesten Leistung.
VI 8 Sieh: wie der Gott in den Schwan.
VI 9 ...... Wir aber verweilen,
VI
10 ach, uns rühmt
es zu blühn, und ins verspätete Innre
VI
11 unserer
endlichen Frucht gehn wir verraten hinein.
VI
12 Wenigen steigt
so stark der Andrang des Handelns,
VI
13 daß sie schon
anstehn und glühn in der Fülle des Herzens,
VI
14 wenn die Verführung
zum Blühn wie gelinderte Nachtluft
VI
15 ihnen die
Jugend des Munds, ihnen die Lider berührt:
VI
16 Helden
vielleicht und den frühe Hinüberbestimmten,
VI
17 denen der gärtnernde
Tod anders die Adern verbiegt.
VI
18 Diese stürzen
dahin: dem eigenen Lächeln
VI
19 sind sie voran,
wie das Rossegespann in den milden
VI 20 muldigen Bildern von Karnak dem siegenden König.
VI 21 Wunderlich nah ist der Held doch den jugendlich Toten. Dauern
VI
22 ficht ihn
nicht an. Sein Aufgang ist Dasein; beständig
VI
23 nimmt er sich
fort und tritt ins veränderte Sternbild
VI
24 seiner steten
Gefahr. Dort fänden ihn wenige. Aber,
VI
25 das uns
finster verschweigt, das plötzlich begeisterte Schicksal
VI
26 singt ihn
hinein in den Sturm seiner aufrauschenden Welt.
VI
27 Hör ich doch
keinen wie ihn. Auf einmal durchgeht mich
VI 28 mit der strömenden Luft sein verdunkelter Ton.
VI 29 Dann, wie verbärg ich mich gern vor der Sehnsucht: O wär ich,
VI 30 wär ich ein Knabe und dürft es noch werden und säße
VI
31 in die künftigen
Arme gestützt und läse von Simson,
VI 32 wie seine Mutter erst nichts und dann alles gebar.
VI 33 War er nicht Held schon in dir, o Mutter, begann nicht
VI
34 dort schon, in
dir, seine herrische Auswahl?
VI
35 Tausende
brauten im Schooß und wollten er sein,
VI
36 aber sieh: er
ergriff und ließ aus --, wählte und konnte.
VI
37 Und wenn er Säulen
zerstieß, so wars, da er ausbrach
VI
38 aus der Welt
deines Leibs in die engere Welt, wo er weiter
VI
39 wählte und konnte.
O Mütter der Helden, o Ursprung
VI
40 reißender Ströme!
Ihr Schluchten, in die sich
VI
41 hoch von dem
Herzrand, klagend,
VI 42 schon die Mädchen gestürzt, künftig die Opfer dem Sohn.
VI
43 Denn hinstürmte
der Held durch Aufenthalte der Liebe,
VI
44 jeder hob ihn
hinaus, jeder ihn meinende Herzschlag,
VI 45 abgewendet schon, stand er am Ende der Lächeln, -- anders.