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          Die dritte Elegie  

 

III    1     Eines ist, die Geliebte zu singen. Ein anderes, wehe,

III    2     jenen verborgenen schuldigen Fluß-Gott des Bluts.

III    3     Den sie von weitem erkennt, ihren Jüngling, was weiß er

III    4     selbst von dem Herren der Lust, der aus dem Einsamen oft,

III    5     ehe das Mädchen noch linderte, oft auch als wäre sie nicht,

III    6     ach, von welchem Unkenntlichen triefend, das Gotthaupt

III    7     aufhob, aufrufend die Nacht zu unendlichem Aufruhr.

III    8     O des Blutes Neptun, o sein furchtbarer Dreizack.

III    9     O der dunkele Wind seiner Brust aus gewundener Muschel.

III    10    Horch, wie die Nacht sich muldet und höhlt. Ihr Sterne,

III    11    stammt nicht von euch des Liebenden Lust zu dem Antlitz

III    12    seiner Geliebten? Hat er die innige Einsicht

III    13    in ihr reines Gesicht nicht aus dem reinen Gestirn? 

 

III    14    Du nicht hast ihm, wehe, nicht seine Mutter

III    15    hat ihm die Bogen der Braun so zur Erwartung gespannt.

III    16    Nicht an dir, ihn fühlendes Mädchen, an dir nicht

III    17    bog seine Lippe sich zum fruchtbarern Ausdruck.

III    18    Meinst du wirklich, ihn hätte dein leichter Auftritt

III    19    also erschüttert, du, die wandelt wie Frühwind?

III    20    Zwar du erschrakst ihm das Herz; doch ältere Schrecken

III    21    stürzten in ihn bei dem berührenden Anstoß.

III    22    Ruf ihn... du rufst ihn nicht ganz aus dunkelem Umgang.

III    23    Freilich, er will, er entspringt; erleichtert gewohnt er

III    24    sich in dein heimliches Herz und nimmt und beginnt sich.

III    25    Aber begann er sich je?

III    26    Mutter, du machtest ihn klein, du warsts, die ihn anfing;

III    27    dir war er neu, du beugtest über die neuen

III    28    Augen die freundliche Welt und wehrtest der fremden.

III    29    Wo, ach, hin sind die Jahre, da du ihm einfach

III    30    mit der schlanken Gestalt wallendes Chaos vertratst?

III    31    Vieles verbargst du ihm so; das nächtlich-verdächtige Zimmer

III    32    machtest du harmlos, aus deinem Herzen voll Zuflucht

III    33    mischtest du menschlichern Raum seinem Nacht-Raum hinzu.

III    34    Nicht in die Finsternis, nein, in dein näheres Dasein

III    35    hast du das Nachtlicht gestellt, und es schien wie aus Freundschaft.

III    36    Nirgends ein Knistern, das du nicht lächelnd erklärtest,

III    37    so als wüßtest du längst, wann sich die Diele benimmt...

III    38    Und er horchte und linderte sich. So vieles vermochte

III    39    zärtlich dein Aufstehn; hinter den Schrank trat

III    40    hoch im Mantel sein Schicksal, und in die Falten des Vorhangs

III    41    paßte, die leicht sich verschob, seine unruhige Zukunft. 

 

III    42    Und er selbst, wie er lag, der Erleichterte, unter 

III    43    schläfernden Lidern deiner leichten Gestaltung

III    44    Süße lösend in den gekosteten Vorschlaf --:

III    45    schien ein Gehüteter... Aber innen: wer wehrte,

III    46    hinderte innen in ihm die Fluten der Herkunft?

III    47    Ach, da war keine Vorsicht im Schlafenden; schlafend,

III    48    aber träumend, aber in Fiebern: wie er sich ein-ließ.

III    49    Er, der Neue, Scheuende, wie er verstrickt war,

III    50    mit des innern Geschehns weiterschlagenden Ranken

III    51    schon zu Mustern verschlungen, zu würgendem Wachstum, zu tierhaft

III    52    jagenden Formen. Wie er sich hingab --. Liebte.

III    53    Liebte sein Inneres, seines Inneren Wildnis,

III    54    diesen Urwald in ihm, auf dessen stummem Gestürztsein

III    55    lichtgrün sein Herz stand. Liebte. Verließ es, ging die

III    56    eigenen Wurzeln hinaus in gewaltigen Ursprung,

III    57    wo seine kleine Geburt schon überlebt war. Liebend

III    58    stieg er hinab in das ältere Blut, in die Schluchten,

III    59    wo das Furchtbare lag, noch satt von den Vätern. Und jedes

III    60    Schreckliche kannte ihn, blinzelte, war wie verständigt.

III    61    Ja, das Entsetzliche lächelte ... Selten

III    62    hast du so zärtlich gelächelt, Mutter. Wie sollte

III    63    er es nicht lieben, da es ihm lächelte. Vor dir

III    64    hat ers geliebt, denn, da du ihn trugst schon,

III    65     war es im Wasser gelöst, das den Keimenden leicht macht. 

 

III    66    Siehe, wir lieben nicht, wie die Blumen, aus einem 

III    67    einzigen Jahr; uns steigt, wo wir lieben,

III    68    unvordenklicher Saft in die Arme. O Mädchen,

III    69    dies: daß wir liebten in uns, nicht Eines, ein Künftiges, sondern

III    70    das zahllos Brauende; nicht ein einzelnes Kind,

III    71    sondern die Väter, die wie Trümmer Gebirgs

III    72    uns im Grunde beruhn; sondern das trockene Flußbett

III    73    einstiger Mütter --; sondern die ganze

III    74    lautlose Landschaft unter dem wolkigen oder

III    75    reinen Verhängnis --: dies kam dir, Mädchen, zuvor. 

 

III    76    Und du selber, was weißt du --, du locktest 

III    77    Vorzeit empor in dem Liebenden. Welche Gefühle

III    78    wühlten herauf aus entwandelten Wesen. Welche

III    79    Frauen haßten dich da. Was für finstere Männer

III    80    regtest du auf im Geäder des Jünglings? Tote

III    81    Kinder wollten zu dir... O leise, leise,

III    82    tu ein liebes vor ihm, ein verläßliches Tagwerk, -- führ ihn

III    83    nah an den Garten heran, gieb ihm der Nächte 

III    84    Übergewicht ...... 

III    85    Verhalt ihn......