Hyperlinks proved to be the most user-friendly medium for parallel texts on the Internet. Back in 1977, I couln't affoird the exorbitant fees to reprint the German, so I regretfully had to omit it. Now it's free on the Net.
Fearing the long dash and the triple-dot -- two markings that abound in the Elegies -- might misprint hideously on some browsers, I placed two hyphens and three periods, respectively, though at the risk that they may occasionally get sliced apart.
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Die Duineser Elegien
Original German text
Die erste Elegie
I 1
Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel
I
2 Ordnungen?
und gesetzt selbst, es nähme
I
3 einer
mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem
I
4 stärkeren
Dasein. Denn das Schöne ist nichts
I
5 als des
Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
I
6 und wir
bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
I
7 uns zu
zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.
I
8 Und so
verhalt ich mich denn und verschlucke den Lockruf
I
9 dunkelen
Schluchzens. Ach, wen vermögen
I
10 wir denn zu
brauchen? Engel nicht, Menschen nicht,
I
11 und die
findigen Tiere merken es schon,
I
12 daß wir nicht
sehr verläßlich zu Haus sind
I
13 in der
gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
I
14 irgend ein
Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
I
15 wiedersähen;
es bleibt uns die Straße von gestern
I
16 und das
verzogene Treusein einer Gewohnheit,
I
17 der es bei uns
gefiel, und so blieb sie und ging nicht.
I
18 O und die
Nacht, die Nacht, wenn der Wind voller Weltraum
I
19 uns am
Angesicht zehrt --, wem bliebe sie nicht, die ersehnte,
I
20 sanft enttäuschende,
welche dem einzelnen Herzen
I
21 mühsam
bevorsteht. Ist sie den Liebenden leichter?
I
22 Ach, sie
verdecken sich nur mit einander ihr Los.
I
23 Weißt du's
noch nicht? Wirf aus den Armen die
Leere
I
24 zu den Räumen
hinzu, die wir atmen; vielleicht daß die Vögel
I 25 die erweiterte Luft fühlen mit innigerm Flug.
I
26 Ja, die Frühlinge
brauchten dich wohl. Es muteten manche
I
27 Sterne dir zu,
daß du sie spürtest. Es hob
I
28 sich eine Woge
heran im Vergangenen, oder
I
29 da du vorüberkamst
am geöffneten Fenster,
I
30 gab eine Geige
sich hin. Das alles war Auftrag.
I
31 Aber bewältigtest
du's? Warst du nicht immer
I
32 noch von
Erwartung zerstreut, als kündigte alles
I
33 eine Geliebte
dir an? (Wo willst du sie bergen,
I
34 da doch die
großen fremden Gedanken bei dir
I
35 aus und ein
gehn und öfters bleiben bei Nacht.)
I
36 Sehnt es dich
aber, so singe die Liebenden; lange
I
37 noch nicht
unsterblich genug ist ihr berühmtes Gefühl.
I
38 Jene, du
neidest sie fast, Verlassenen, die du
I
39 so viel
liebender fandst als die Gestillten. Beginn
I
40 immer von
neuem die nie zu erreichende Preisung;
I
41 denk: es erhält
sich der Held, selbst der Untergang war ihm
I
42 nur ein
Vorwand, zu sein: seine letzte Geburt.
I
43 Aber die
Liebenden nimmt die erschöpfte Natur
I
44 in sich zurück,
als wären nicht zweimal die Kräfte,
I
45 dieses zu
leisten. Hast du der Gaspara Stampa
I
46 denn genügend
gedacht, daß irgend ein Mädchen,
I
47 dem der
Geliebte entging, am gesteigerten Beispiel
I
48 dieser
Liebenden fühlt: daß ich würde wie sie?
I
49 Sollen nicht
endlich uns diese ältesten Schmerzen
I
50 fruchtbarer
werden? Ist es nicht Zeit, daß wir liebend
I
51 uns vom
Geliebten befrein und es bebend bestehn:
I
52 wie der Pfeil
die Sehne besteht, um gesammelt im Absprung
I
53 mehr
zu sein als er selbst. Denn Bleiben ist nirgends.
I
54 Stimmen,
Stimmen. Höre, mein Herz, wie sonst nur
I
55 Heilige hörten:
daß sie der riesige Ruf
I
56 aufhob vom
Boden; sie aber knieten,
I
57 Unmöglich,
weiter und achtetens nicht:
I
58
So waren sie hörend. Nicht, daß
du Gottes ertrügest
I
59 die Stimme,
bei weitem. Aber das Wehende höre,
I
60 die
ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.
I
61 Es rauscht
jetzt von jenen jungen Toten zu dir.
I
62 Wo immer
du eintratst, redete nicht in Kirchen
I
63 zu Rom und
Neapel ruhig ihr Schicksal dich an?
I
64 Oder es trug
eine Inschrift sich erhaben dir auf,
I
65 wie neulich
die Tafel in Santa Maria Formosa.
I
66 Was sie mir
wollen? leise soll ich des Unrechts
I
67 Anschein abtun,
der ihrer Geister
I 68 reine Bewegung manchmal ein wenig behindert.
I 69 Freilich ist es seltsam, die Erde nicht mehr zu bewohnen,
I
70 kaum erlernte
Gebräuche nicht mehr zu üben,
I
71 Rosen, und
andern eigens versprechenden Dingen
I
72 nicht die
Bedeutung menschlicher Zukunft zu geben;
I
73 das, was man
war in unendlich ängstlichen Händen,
I
74 nicht mehr zu
sein, und selbst den eigenen Namen
I
75 wegzulassen
wie ein zerbrochenes Spielzeug.
I
76 Seltsam, die Wünsche
nicht weiter zu wünschen. Seltsam,
I
77 alles, was
sich bezog, so lose im Raume
I
78 flattern zu
sehen. Und das Totsein ist mühsam
I
79 und voller
Nachholn, daß man allmählich ein wenig
I
80 Ewigkeit spürt.
-- Aber Lebendige machen
I
81 alle den
Fehler, daß sie zu stark unterscheiden.
I
82 Engel (sagt
man) wüßten oft nicht, ob sie unter
I
83 Lebenden gehn
oder Toten. Die ewige Strömung
I
84 reißt durch
beide Bereiche alle Alter
I 85 immer mit sich und übertönt sie in beiden.
I
86 Schließlich
brauchen sie uns nicht mehr, die Früheentrückten,
I
87 man entwöhnt
sich des Irdischen sanft, wie man den Brüsten
I
88 milde der
Mutter entwächst. Aber wir, die so große
I
89 Geheimnisse
brauchen, denen aus Trauer so oft
I
90 seliger
Fortschritt entspringt --: könnten wir sein ohne sie?
I
91 Ist die Sage
umsonst, daß einst in der Klage um Linos
I
92 wagende erste
Musik dürre Erstarrung durchdrang;
I
93 daß erst im
erschrockenen Raum, dem ein beinah göttlicher Jüngling
I
94 plötzlich für
immer enttrat, das Leere in jene
I
95 Schwingung
geriet, die uns jetzt hinreißt und tröstet und hilft?